Umgang mit Stress

Umgang mit Stress

Wir alle kennen Stress und wissen aus eigener Erfahrung, wie schädlich er für uns und unsere Gesundheit ist. Es gibt unterschiedliche Ebenen von Stress und durch die unterschiedlichsten Situationen können wir uns gestresst fühlen.

Wenn wir versuchen genauer hinschauen, können wir sehen, dass Stress ein unangenehmes Gefühl ist, und uns unruhig und angespannt sein lässt. Außerdem können wir feststellen, dass wir immer dann eine Erfahrung von Stress machen, wenn die Dinge im Widerspruch zu unseren eigenen Wünsche oder Vorstellungen verlaufen oder sich Personen anders verhalten, als wir es gerne hätten oder erwarten. Und wenn wir dann nicht damit einverstanden sind, wird unser Geist unruhig, wir werden verärgert und erfahren Stress.

Im Buddhismus werden unterschiedliche Methoden erklärt, die jedem helfen können, Stress zu verringern und aufzugeben.

Eine Methode ist zu lernen, geduldig zu sein. Geduld ist ein Geist, der vollkommen und glücklich annehmen kann, was immer auch geschieht. Geduld beinhaltet viel mehr, als bloß die Zähne zusammenzubeißen und sich mit den Dingen abzufinden. Geduldig zu sein bedeutet, von ganzem Herzen willkommen zu heißen, was immer geschieht, und den Gedanken aufzugeben, dass die Dinge anders sein sollten als sie sind. Man kann immer geduldig sein. Es gibt keine Situation, die so schlimm ist, dass sie nicht geduldig mit einem offenen, entgegenkommenden und friedvollen Herzen angenommen werden kann.

Es gibt unzählige Umstände, unter denen es leicht ist, einen unglücklichen Geist zu entwickeln. Wenn wir selbst, unsere Familie oder unsere Freunde schlecht behandelt oder beschuldigt werden, oder irgendein Unglück erfahren, ist unsere normale Reaktion, dass wir unglücklich werden. Das geschieht auch dann, wenn Beziehungen schwierig sind, wenn wir finanzielle oder gesundheitliche Probleme haben, wenn wir verlieren, was uns lieb ist, wenn wir einsam sind oder keine Zeit für uns alleine finden können, wenn wir keine Arbeit oder zu viel Arbeit haben, wenn wir scheitern oder uns der Erfolg mehr Stress beschert, als wir ertragen können – die Liste ist endlos. Unsere Deprimiertheit kann sich unter all diesen Umständen leicht zu einem Gefühl entwickeln, dass das Leben oder andere Menschen ungerecht zu uns sind, und das deprimiert uns dann noch mehr. Aber wir müssen nicht unglücklich werden, bloß weil die Dinge sich nicht nach unsren Wünschen entwickeln. Wir haben die Freiheit auf realistischere und konstruktivere Art zu reagieren.

Wie Shantideva in Leitfaden für die Lebensweise eines Bodhisattvas sagt:

Wenn etwas behoben werden kann,

Warum darüber unglücklich sein?

Und wenn etwas nicht behoben werden kann,

Macht es immer noch keinen Sinn, unglücklich zu sein.

Unangenehme Gefühle oder Stress haben nicht die Macht, uns langfristig zu schaden. So wie am Himmel Platz für ein Gewitter ist, so gibt es im weiten Raum unseres Geistes Platz für einige schmerzhafte Gefühle; und so wie das Gewitter den Himmel nicht zerstören kann, so können Stress und unangenehme Gefühle unseren Geist nicht zerstören.

Indem wir unseren Geist mit der Geduld des freiwilligen Annehmens von Leiden vertraut machen, werden unsere Probleme und Schwierigkeiten schließlich verschwinden.